Märchenwelten

"Märchen - gleichst dem Regenbogen, schillernd bunt sind deine Farben, du hast stets die Sonn' im Rücken, Märchen gleichen Weizengarben!"

Zu allen Zeiten und auf der ganzen Welt haben sich die Menschen Mythen und Märchen, Sagen und Geschichten erzählt. Erzählen ist eine der ältesten Künste der Menschheit. In Märchenbildern und mythischen Gestalten spiegeln sich in immer neuen Variationen Erklärungsversuche für die Entstehung der äußeren sichtbaren Welt und dem seelischen Ringen der Heldinnen und Helden um hohe Ideale. Mythen und Märchen sind Bewahrstätten der menschlichen Kultur- und Geistesgeschichte.

Ihre ganze Faszination, ihren wahren Zauber entfalten Märchen und Geschichten jedoch erst im freien Erzählen. Solange sie zwischen Buchdeckeln eingesperrt sind bleiben sie leblos. Erzählend zum Leben erweckt sind frei erzählte Märchen zunächst einmal Unterhaltung und zwar "gute Unterhaltung". Sie bieten uns aber auch Halt und Unter-Halt. In symbolhaften Bildern erzählen sie uns von allgemein menschlichen und auch von individuellen Entwicklungswegen der menschlichen Seele. Sie fordern Erzähler und Zuhörer gleichermaßen dazu auf, zu dem was in unserer Seele manchmal so verworren durcheinandergeht, eine innere Haltung einzunehmen.

Frei, lebendig, einfühlsam erzählt und angemessen vorgetragen, rufen Märchen beim Zuhörer innere Bilder wach und entfalten in Resonanz mit dem gesprochenen Wort ihre heilsame Wirkung. Märchenbilder sind, wie die Bilder unserer Träume, die Sprache der Seele. Das Märchen stellt die Helden in klar voneinander unterscheidbaren Personen auf die "Bühne des Lebens". Die Märchenhelden begegnen uns dabei oft in ganz alltäglichen Figuren und ermöglichen es uns damit, uns jederzeit mit ihnen zu identifizieren. Märchen erzählen uns davon, dass das Leben selbst ein Abenteuer ist, dass sich das Leben nicht von selbst versteht, sondern von jedem Einzelnen in verantwortungsvoller Weise für das eigene Tun und Lassen ergriffen werden muss. Sie erzählen uns davon wie wichtig die richtige Entscheidung im rechten Augenblick ist, um vermeintlich unlösbare Aufgaben zu bewältigen und Hindernisse zu überwinden.

Oft gelingt es gerade dem Dummling, dem Einfältigen den einzig richtigen Weg zu finden. Weil er sich anderen oder der Natur gegenüber mitleidig erweist und bereit ist herkömmliche und gewohnte Verhaltensmuster aufzubrechen. Auch die Prinzessin die bereit ist für die Erlösung ihres Liebsten alles zu geben, sucht auf einer endlos scheinenden Wanderung durch kosmische Reiche den richtigen Weg zum Schloss auf dem ihr Liebster gebannt oder geblendet ihrer harren muss. Sowohl dem Dummling als auch der mutigen Prinzessin gelingt es vor allem deshalb den richtigen Weg zu finden, weil sie der Sprache ihres Herzens folgen: dem aufrichtigen Mitgefühl gegenüber dem Anderen oder der Natur und dem unerschütterlichen Vertrauen auf die Liebe des Auserwählten. Aber auch das genaue Gegenteil kann der Fall sein. Mitleid zur falschen Zeit am falschen Ort könnte den Fortgang der Geschichte zum Stillstand bringen oder verheerende Folgen haben. Wenn die Prinzessin den Froschkönig nicht an die Wand geklatscht hätte wäre sicher kein Mensch, kein Mann aus ihm aus ihm geworden, oder?

Märchen erzählen in immer neuen Bildern, dass wir das Leben nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit unserem Herzen ergreifen müssen. Vor allem erzählen sie uns aber davon, dass es jedem von uns gelingen kann in allen Lebensbereichen, Königin oder König im eigenen Reich zu werden. Märchen erzählen auch, dass uns in schwierigen Lebensabschnitten oft von unerwarteter Seite Hilfe zu Teil wird. Wenn wir bereit sind auch nach bitteren Enttäuschungen, uns dem du, den unscheinbaren Helfern am Wegrand, dem Leben selbst wieder anvertrauen, werden wir wieder heil.

Begegnen Sie sich neu im kreativen Umgang mit dem gesprochenen Wort, in individuell zugeschnittenen Workshops für Erzieherinnen und Geschichtenliebhaber, Anfänger und Fortgeschrittene.

Viel Spaß auf diesen Seiten wünscht Ihnen Ihre
Petra Horter